«Aldo und Milena Vajra kann man nur mit grosser Hochachtung beschreiben, denn bei ihnen spürt man die Suche nach dem Ganzheitlichen im Leben auf Schritt und Tritt.»

© Christoph Künzli
© Christoph Künzli

Eine wunderbare Familie, in der ethische Grundwerte, die nicht im Kontrast zur Arbeit stehen, gepflegt und gelebt werden, wo versucht wird, mit Bescheidenheit und grossem Einsatz gesunde Trauben mit höchster Harmonie zu erhalten und sie zu Weinen, die diese Traubigkeit durch alles hindurch verkörpern, zu entwickeln.

Diese Ganzheitlichkeit und Harmonie spiegelt sich auch in den neuen Kellergebäuden mit den bemalten Glasfenstern oder der wunderbaren natürlichen Lichtführung wider. Nichts wird hier dem Zufall überlassen, alles ist ein Teil des Ganzen.

Wie Aldo und Milena in den letzten 25 Jahren ihr kleines Weingut mit wenigen Hektaren, die Aldo von seinem Grossvater geerbt hatte, zu einem beeindruckenden Weingut mit gegen sechzig Hektaren aufgebaut haben, ist vorbildlich und zeugt von grossem Mut. Unterdessen sind auch die Kinder aktiv im Betrieb, Giuseppe kümmert sich um die englisch-sprachigen Märkte und ist oft in den USA anzutreffen, Francesca ist im Büro und Isidoro schnuppert etwas im Betrieb anch seiner Ausbildung zum Enologen.

Während sich alle um die sogenannt grossen Lagen im Barolo stritten, haben die Vajras die wunderbaren, hochgelegenen Lagen um Vergne kontinuerlich gekauft und neu bepflanzt – mit Dolcetto und Barbera oder Riesling und in den tieferen Lagen mit Nebbiolo. Diese Sorten ergeben in solchen Lagen extrem fruchtvolle und elegante Weine und auch der Barolo «Albe» aus den unterdessen älter gewordenen Reben zeigt eine fast burgundische Harmonie mit feiner Aromatik von Beeren und Blumen und könnte «süffig» genannt werden.

Fast klammheimlich haben sich Vajras vor wenigen Jahren in Sinio, ganz knapp neben den grossen Barololagen von Serralunga, eingekauft. Obwohl diese Rebberge gleiche Merkmale wie die berühmten Lagen nebenan zeigen, wurden sie vor Jahrzehnten aus politischen Gründen vergessen und nicht ins Barologebiet einbezogen. Vajras freuts, denn die Bodenpreise waren erschwinglich und die Weinqualität aus den ersten Ernten ist von beeindruckender Qualität. Es ist unbedeutend, dass nicht Barolo darauf stehen darf – wenn die Qualität stimmt und Vajra auf dem Etikett steht, genügt dies vollständig.

Dolcetto und Barbera gehören für mich regelmässig zur Spitze der Langhe. Der Freisa, eine früher wichtige Traube neben dem Nebbiolo, verkam mehr und mehr, doch Aldo hat sie wieder aufgegriffen und gezähmt. In kleinsten Erträgen produziert er diese äusserst interessante Spezialität, die für mich mit ihren Wald- und Unterholznoten der Inbegriff eines wilden Weins, eines Weins zu Wild ist. In der Jugend kann er kantig sein, gewinnt jedoch mit den Jahren eine komplexe, hocharomatische Struktur mit Tiefe und Kern.

Der Barolo «Bricco delle Viole» aus alten Reben gewinnt immer mehr an Stoff, verbunden mit seiner Komplexität und Saftigkeit auf feinziselierter Nebbioloaromatik.