Als ich 1988 durch einen Tipp von Paolo de Marchi die Einmaligkeit und Schönheit von «Boca», die Grösse seiner Weine und einen der letzten Produzenten – Antonio Cerri – kennenlernte, war ich sofort von der Idee gefangen, hier einmal ein Weingut aufzubauen, um die grossen Möglichkeiten des zwar im Zentrum von Mitteleuropa gelegenen und dennoch so abgelegenen und vergessenen Gebiets wieder neu zu entwickeln.

© Christoph Künzli
© Christoph Künzli

Die ersten Resultate unseres Weinguts haben mich heute in der Überzeugung bestärkt, mit Boca ein grossartiges Terroir in Händen zu haben. Es bedeutet für mich eine dauernde Herausforderung, dieses Potenzial nun bestmöglich zu entwickeln. Nach einer langen Investitionsphase mit Rodung von Wäldern, Neuanpflanzung von Rebbergen und der Renovation des alten Kellers von Cerri haben wir heute gut sieben Hektaren im Ertrag und die ersten Weine aus den alten Reblagen von Cerri sowie dazugekauften und -gepachteten Flächen sind nun abgefüllt.

Obwohl wir uns in den Neuanlagen um die Produktion des Boca DOC kümmern werden und diese entsprechend mit Nebbiolo und Vespolina bepflanzten, haben wir in den bestehenden Rebbergen, wo vor allem Croatina gepflanzt ist, zwei Weine unter der DOC Colline novaresi entwickelt – einen fruchtig-würzigen Alltagswein aus allen vier Sorten dieser DOC (Croatina, Nebbiolo, Bonarda und Vespolina) und einen Wein, der die unterschätzte Croatina Traube zu neuer Grösse führt. Grundlage dafür sind hochgelegene Reblagen auf Montalbano, Santuario und Traversagna aus 90-jährigen Rebbergen. Dort erreicht die Croatina zusammen mit etwas Nebbiolo eine hohe Konzentration und Tiefe mit Noten, die an Brombeeren, Preiselbeeren, Leder und Tabak erinnern und einen interessanten lagerfähigen Wein ergeben.

Doch auch in diesem Gebiet spielt die Nebbiolotraube eine wichtige Rolle. Zusammen mit der heimischen Sorte Vespolina (15%) ergibt sie auf den rötlichen Porphyrböden von Boca eine Ausprägung des Nebbiolo, die sich durch komplexe Aromatik, likörhaften Schmelz und grosse Länge auszeichnet. Die präsente Tannin- und Säurestruktur gibt ihm die Möglichkeit einer langen Reifung. Vorbilder von Cerri bis in die 40er-Jahre sind vorhanden und bereiten auch heute noch grosse Freude.