István Szepsy

Mád, Tokaji, Ungarn

István Szepsy gehört zu den grossen Meistern des Tokaj. Nach der Öffnung Ungarns setzte er alles daran, die historischen Spitzenlagen rund um Mád zurückzugewinnen und Tokaj wieder dorthin zu führen, wo es für ihn hingehört: an die Spitze der grossen Weinregionen Europas. Heute führt István Szepsy jun. die Arbeit sichtbar weiter. Im Zentrum stehen trockene Lagen-Furmints und grosse Aszú-Weine aus vulkanischen Böden, mit ungeheurer Präzision, Konzentration und Reifefähigkeit.

Furmint, Botrytis und strengste Selektion: Bei Szepsy beginnt Tokaj nicht im Keller, sondern in den historischen Lagen rund um Mád.

Tokaj, Mád und die Wiedergeburt einer grossen Weinregion

István Szepsy gehört zu den kompromisslosesten Weinproduzenten, die wir kennen. Für ihn ist Tokaj nicht einfach ein berühmtes Süssweingebiet mit glanzvoller Vergangenheit, sondern eine Aufgabe. Sein Lebensziel war und ist der Beweis, dass Tokaj zu den ganz grossen Weinregionen der Welt gehört.

Die Familie Szepsy ist seit Jahrhunderten mit dem Weinbau im Tokaj verbunden. Je nach Quelle reicht diese Geschichte bis ins 16. oder frühe 17. Jahrhundert zurück. Ein Vorfahr, Máté Szepsi Laczkó, wird sogar mit der Entwicklung des Tokaji Aszú in Verbindung gebracht. Ob man solche Geschichten nun ganz streng historisch liest oder nicht: Bei Szepsy spürt man, dass Wein hier nicht einfach Beruf ist, sondern Erbe, Verpflichtung und manchmal wohl auch Bürde.

Nach der Öffnung Ungarns begann István Szepsy, historische Spitzenlagen zurückzugewinnen. Teilweise unter Verzicht auf alltägliche Sicherheiten kaufte er Parzellen in den besten Crus: Király, Nyúlászó, Szent Tamás, Danczka, Úrágya, Betsek und weitere Lagen rund um Mád und Tokaj. Es war, als wolle er aufholen, was die kommunistische Zeit an Qualität, Lagenbewusstsein und Selbstverständnis verschüttet hatte.

Die Arbeit im Rebberg ist extrem präzis. Schon im Frühling werden die Reben so geführt, dass später Botrytis von höchster Qualität entstehen kann. Die Zeilen von Szepsy erkennt man von Weitem. Alles wirkt fast gärtnerisch gepflegt, als gehe es um einen Rosengarten und nicht um Weinberge. Die Erträge sind entsprechend winzig. Bei grossen Süssweinen sind 500 bis 1000 Liter pro Hektare keine Seltenheit, sondern Teil der Logik.

Tokaj ist geologisch ein aussergewöhnliches Gebiet. Vulkanische Böden, Tuff, Rhyolith, Andesit, Zeolithe, unterschiedliche Höhenlagen und Expositionen bilden ein Mosaik von Lagen, das man erst versteht, wenn man mit Szepsy stundenlang von Hang zu Hang geht. Mád, Szent Tamás, Úrágya oder Király sind nicht einfach Namen. Es sind sehr unterschiedliche Orte mit eigener Spannung, eigener Struktur und eigener Aromatik.

Lange war Tokaj fast nur über seine grossen Süssweine bekannt. Szepsy hat entscheidend dazu beigetragen, den Aszú wieder in die Weltspitze zu führen. Unter fünf Puttonyos gab es bei ihm lange nichts. Seine Süssweine verbinden enorme Konzentration mit elektrischer Säure, Frische und jener feinen, fast salzigen Mineralität, die verhindert, dass Süsse schwer wird.

Gleichzeitig hat Szepsy mit seinen trockenen Lagen-Furmints gezeigt, dass Tokaj nicht nur Vergangenheit, sondern Zukunft hat. Diese Weine sind keine Nebenprodukte der Aszú-Produktion, sondern ernsthafte, grosse Weissweine aus einzelnen Lagen. Furmint kann hier Zitrus, Quitte, Kräuter, Rauch, Stein, Salz und eine fast rieslingartige Spannung zeigen. Nur eben anders. Tokaj anders.

Heute ist auch die nächste Generation deutlich sichtbar. István Szepsy jun. führt das Weingut in Mád zunehmend weiter und steht für die Fortsetzung dieser Arbeit. Aktuelle Quellen nennen rund 40 Hektaren in 19 Crus, verteilt auf sieben Dörfer, mit einem sehr hohen Anteil an klassifizierten Spitzenlagen. Andere Quellen sprechen von etwas grösseren Flächen, was bei Tokaj und Parzellengeschichte nicht weiter überrascht. Entscheidend bleibt: Es geht um wenige, präzise ausgewählte Orte und nicht um Menge.

Spannend ist auch, dass Szepsy jun. den Blick für die Zukunft nicht nur im Rebberg sucht. Er hat sich dafür eingesetzt, Tokaj erstmals offiziell in grossen Formaten wie Magnum und Jeroboam abfüllen zu dürfen. Das klingt technisch, ist aber ein starkes Zeichen: Diese Weine sollen nicht nur getrunken, sondern gesammelt, gereift und international als grosse, lagerfähige Weine verstanden werden.

Szepsy bleibt für uns deshalb ein Sonderfall. Ein grosser Meister, der Tokaj wieder ernst genommen hat, und eine nächste Generation, die dieses Werk nicht verwaltet, sondern weiterdenkt. Die süssen Weine gehören zur Weltspitze. Die trockenen Furmints zeigen, dass Tokaj auch bei grossen Weissweinen mitreden kann. Und das Schönste: István Szepsy selbst würde vermutlich trotzdem sagen, dass erst ein Teil des wirklichen Potenzials ausgeschöpft ist.

Edelbotrytis und Lagenkarte: Bei Szepsy zählt jedes Detail, vom einzelnen Beerenzustand bis zur Frage, aus welchem Hang welcher Wein entstehen soll.

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