
Murola
Urbisaglia, Marche, Italien
Murola liegt in den Marken, zwischen den Monti Sibillini und der Adria, auf alten Familienländereien nahe Urbisaglia. Die Familie Sorbatti besitzt das Land seit Jahrhunderten, heute führen Jurek Mosiewicz und sein Sohn Edoardo das Gut weiter. Im Zentrum stehen regionale Sorten wie Ribona, Sangiovese und Montepulciano, dazu eine klare Idee: Weine zu machen, die nicht irgendeinen internationalen Stil kopieren, sondern die Hügel von Macerata zeigen.


Rebberge und Keller von Murola: ein grosser Familienbesitz in den Hügeln von Macerata, geprägt von alten Sorten, technischer Genauigkeit und viel Landschaft.
Zwischen Monti Sibillini und Adria
Murola liegt in den Marken, etwa in der Mitte der italienischen Halbinsel, zwischen den Monti Sibillini und der Adria. Wir sind hier im Hinterland von Macerata, nahe Urbisaglia, Loro Piceno, Petriolo und Mogliano. Ein Gebiet mit Hügeln, Wind, Licht, Geschichte und einem angenehmen Abstand zu den grossen Moden des Weinmarkts.
Das Gut umfasst heute rund 500 Hektaren Land. Die Familie besitzt diese Ländereien seit Jahrhunderten. Bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kaufte die Familie Sorbatti «terrae vineatae», also mit Reben bepflanzte Flächen, die zuvor zur Abtei Fiastra gehörten. Das ist nicht nur eine schöne historische Fussnote, sondern erklärt, warum Murola mehr ist als ein neu gebautes Weingut mit hübschem Panorama.
Der Name Murola geht auf eine alte Wasserstelle zurück, eine Tränke für Tiere. Solche Orte waren früher wertvoll, weil Wasser über Landwirtschaft entschied. In alten Cabrei, also Besitzverzeichnissen des frühen 18. Jahrhunderts, ist dieser Name bereits belegt. Schon der Name sagt also: Hier geht es um Land, Wasser, Tiere, Wege und Nutzung. Wein kam nicht als Dekoration dazu, sondern aus der Landschaft heraus.
Die Familie hat aber nicht nur eine landwirtschaftliche Geschichte, sondern auch eine technische. Über Generationen spielte Ingenieurwesen eine wichtige Rolle. Eine besondere Figur ist Agar Sorbatti, die als erste Ingenieurin der Marken gilt. Diese Verbindung von Boden und Technik passt erstaunlich gut zu Murola: Es ist ein Gut mit viel Geschichte, aber ohne Angst vor Planung, Forschung und Präzision.
Heute führen Jurek Mosiewicz und sein Sohn Edoardo das Gut weiter. Jureks Familiengeschichte bringt zusätzlich eine polnisch-italienische Linie hinein: Sein Vater Antek kam nach der Schlacht von Montecassino mit dem polnischen Armeekorps in die Marken, lernte dort seine spätere Frau kennen und blieb. Auch deshalb ist Murola ein Familiengut mit mehreren Schichten, nicht einfach «Marche romantisch» und fertig.
Ribona, Maceratino und die eigene Stimme
Besonders spannend ist bei Murola der Blick auf die regionalen Sorten. Die Marken sind oft noch viel zu wenig verstanden. Man denkt schnell an Verdicchio, vielleicht an Rosso Piceno, aber rund um Macerata gibt es mit Ribona, auch Maceratino genannt, eine Sorte, die viel Eigenart mitbringt.
Murola glaubt stark an Ribona als Identität des Gebiets. Die Sorte bringt Frische, Salz, feine Frucht und eine gewisse Kräuterigkeit. Die Nähe zur Adria gibt den Weinen Spannung und eine maritime Note, während die Hügel und die kühleren Luftströme von den Monti Sibillini für Struktur sorgen. Das ist keine laute Sorte, aber eine, die sehr schön erzählen kann, wenn man ihr zuhört.
Neben Ribona spielen Sangiovese und Montepulciano eine wichtige Rolle, dazu Merlot und weitere Sorten. Der Betrieb hat über viele Jahre ein beachtliches Weinprojekt aufgebaut, mit klassischen Linien und einer «Riserva della Famiglia». Die Weinnamen erinnern oft an Familienfiguren oder Orte: Camà, Teodoro, Antek, Jurek. Das ist schön, solange der Wein nicht nur dem Stammbaum gefallen will. Bei Murola geht es aber tatsächlich darum, Herkunft und Familie zusammenzubringen.
Auf den Hügeln der Marken kann Wein schnell zu breit werden, wenn man nur Reife sucht. Murola interessiert uns dort, wo Frische, Würze und klare Frucht erhalten bleiben. Ribona zeigt die helle, salzige Seite. Sangiovese bringt rote Frucht und Spannung. Montepulciano gibt Tiefe und dunklere Würze. Merlot kann, wenn er gut geführt wird, eine weiche, elegante Seite zeigen, ohne gleich nach internationalem Rezept zu schmecken.
Ein Gut mit viel Land und vielen Ideen
Murola ist kein winziger Garagenbetrieb. Das muss man nicht verstecken. Im Gegenteil: Hier geht es um ein grosses Familiengut, das versucht, seine Landwirtschaft, seine Geschichte und sein Weinprojekt sinnvoll zusammenzuführen. Entscheidend ist, dass Grösse nicht automatisch Beliebigkeit bedeutet. Wenn man weiss, wo man hinwill, kann ein grosser Besitz auch ein grosser Vorteil sein.
Die aktuelle Linie scheint klar: alte lokale Sorten bewahren, eigene Klone aus dem Besitz weiterverfolgen, Nachhaltigkeit ernst nehmen und das Gut als Ort für Begegnungen öffnen. Murola hat Fotovoltaik installiert und arbeitet seit Jahren mit Wasserreserven, was in den Marken kein Nebenthema ist. Wer Landwirtschaft betreibt, weiss: Romantik hilft wenig, wenn das Wasser fehlt.
Uns gefällt an Murola vor allem diese Mischung aus Familiengeschichte, Ingenieursgeist und regionalem Stolz. Das Gut könnte problemlos versuchen, internationale Weine ohne Gesicht zu machen. Interessanter ist aber der andere Weg: Ribona, Maceratino, Sangiovese, Montepulciano, Hügel von Macerata, Adriawind und ein bisschen technische Sturheit.
Wenn das alles zusammenkommt, entstehen Weine, die nicht laut auftreten müssen. Sie zeigen eine Region, die viele noch nicht richtig auf dem Radar haben. Und genau dort wird es für uns meistens spannend.

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