
Gregoletto
Conegliano Valdobbiadene, Veneto, Italien
Gregoletto in Premaor di Miane gehört zu den historischen Betrieben der Hügel von Valdobbiadene. Seit dem frühen 17. Jahrhundert arbeitet die Familie mit Reben, heute führt Giovanni Gregoletto diese Geschichte mit ruhiger Konsequenz weiter. Neben Prosecco DOCG entstehen Verdiso, Manzoni Bianco, Col Fondo, stille Weine und mit Birra Follina sogar eigenes Bier. Ein Betrieb für Menschen, die Prosecco nicht als billige Laune verstehen, sondern als ernsthafte Kultur aus einem besonderen Tal.

Giovanni Gregoletto und die alte Kultur von Valdobbiadene
Prosecco gibt es heute überall, oft viel, oft billig und nicht immer mit Ruhm bekleckert. Das ist schade, denn wenn er gut gemacht ist, zeigt die Glera-Traube genau das, was dieses Getränk so schön machen kann: Duft nach Blüten und frischen Äpfeln, Frische, Leichtigkeit und einen Zug, der nicht banal sein muss.
Bei Gregoletto in Premaor di Miane merkt man schnell, dass Prosecco hier nicht als Modeprodukt verstanden wird. Die Familie arbeitet seit dem frühen 17. Jahrhundert mit Reben. Dokumente belegen, dass sie schon damals in den Hügeln von Premaor di Miane Weinbau betrieb. Auch der historische Keller, untergebracht in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, erzählt diese lange Geschichte.
Giovanni Gregoletto ist kein Winzer, der laut auftritt. Er ist einer, der bleibt. In einer Region, in der viel über Menge, Etiketten und schnelle Märkte läuft, hält er an einer anderen Idee fest: eigene Reben, Handarbeit, Herkunft, alte Sorten und Weine, die nicht aufpoliert wirken müssen, um Freude zu machen.
Die Rebberge liegen in den Hügeln der DOCG-Zone Conegliano Valdobbiadene, unter anderem in Miane, San Pietro di Feletto und Refrontolo. Offiziell werden rund 18 Hektaren eigene Weinberge genannt. Das ist genug, um Vielfalt zu haben, aber nicht so viel, dass man den Überblick über die Herkunft verliert.
Neben den klassischen Prosecco-Stilen pflegt Gregoletto auch das, was fast aus der Mode gefallen wäre: Col Fondo, also Flaschengärung mit Hefesatz, Verdiso, Manzoni Bianco, Pinot Bianco und einige Rotweine. Gerade diese Breite zeigt, dass Giovanni nicht einfach produziert, was der Markt am schnellsten versteht. Er interessiert sich für das, was in dieser Gegend gewachsen ist und wieder ernst genommen werden sollte.
Besonders schön ist die Cantina selbst. Gregoletto bietet Besuche mit Degustation an, und dazu gehört auch eine Bibliothek mit alten und neueren Büchern zu Önologie und Weinbau. Das passt sehr gut zu Giovanni: Wein ist für ihn nicht nur Landwirtschaft und Verkauf, sondern auch Erinnerung, Wissen und Kultur. Ein Keller mit Büchern ist immer ein gutes Zeichen. Ausser natürlich, niemand liest sie. Bei Giovanni glaubt man das nicht.
Col Fondo, Verdiso und Birra Follina
Gregoletto ist für uns auch deshalb spannend, weil Giovanni über den Rand des Weinglases hinausschaut. Schon lange bevor Craft Beer in Italien zum Thema wurde, faszinierte ihn die Welt von Malz, Wasser, Hopfen und Hefe. 2013 entstand daraus Birra Follina, eine kleine Brauerei im alten «Sanavalle», dem Tal der Gesundheit. Dort entstehen handwerkliche Biere, die nicht als Spielerei nebenbei wirken, sondern als zweite Sprache eines neugierigen Produzenten.
Diese Neugier zieht sich durch alles. Prosecco, Col Fondo, Verdiso, Manzoni Bianco, Bier, Etiketten, Bücher, Geschichte des Tals: Giovanni sammelt nicht einfach Dinge, er verbindet sie. Man merkt, dass hier jemand arbeitet, der sein Gebiet nicht nur bewirtschaftet, sondern verstehen will.
Der Col Fondo ist dabei vielleicht der schönste Gegenentwurf zum glattgebügelten Prosecco. Er bleibt auf der Hefe, ist trockener, herber, direkter und manchmal ein wenig wolkig im Glas. Also genau das Richtige für Menschen, die beim Wort «Prosecco» nicht automatisch an Aperol, Plastikstuhl und Sonnenbrand denken möchten.
Auch Verdiso und Manzoni Bianco zeigen eine andere Seite der Hügel. Verdiso bringt Frische, Säure und lokale Eigenart. Manzoni Bianco, die Kreuzung aus Riesling und Pinot Bianco von Professor Luigi Manzoni aus Conegliano, verbindet Duft, Struktur und eine feine aromatische Spannung. Solche Weine machen klar: In Valdobbiadene gibt es mehr zu entdecken als nur Perlage.
Gregoletto ist damit ein Betrieb, der sich nicht anbiedert. Er bleibt historisch, aber nicht verstaubt. Eigenwillig, aber nicht schwierig. Und Giovanni ist genau der richtige Mensch dafür: ruhig, neugierig, ein bisschen quer und sehr wahrscheinlich glücklicher in einem Keller voller Wein, Bücher und Bier als in einem Konferenzraum voller Marketingpläne.


Die Hügel von Premaor di Miane gehören zur historischen Prosecco-Zone. Gregoletto arbeitet hier mit eigenen Rebbergen, alten Sorten und einer Geschichte, die nicht erst mit dem Aperitif-Boom begonnen hat.
Typische Produkte dieses Produzenten

