
Lucien Aviet
Arbois, Jura, Frankreich
Lucien Aviet, genannt «Bacchus», war eine der grossen Figuren des Jura und ein Meister des Trousseau aus Montigny-lès-Arsures. Das kleine Familienweingut wurde 1960 gegründet und wird heute von Vincent Aviet und der nächsten Generation weitergeführt. Die Weine sind traditionell, handwerklich und unverwechselbar: Trousseau mit Würze und Struktur, Poulsard mit Feinheit, Savagnin und Melon à Queue Rouge mit jener eigenwilligen Jura-Spannung, die man nicht überall findet.


Montigny-lès-Arsures gilt als Heimat des Trousseau. Bei Aviet wird daraus kein Modewein, sondern Jura alter Schule: würzig, fein, strukturiert und mit Geduld deutlich schöner.
Bacchus aus Montigny-lès-Arsures
Auf unserer Reise durch den Jura fanden wir diesen kleinen, handwerklichen Weinkeller in Montigny-lès-Arsures, oberhalb von Arbois. Ein Familienbetrieb, in dem der Wein wirklich im Zentrum steht. Man trinkt ihn selber gern, ist stolz darauf und macht kein grosses Theater daraus. Sehr sympathisch, sehr Jura.
Lucien Aviet gründete das Weingut 1960. Freunde nannten ihn «Bacchus», und wer diesen Namen trägt, sollte schon etwas im Glas haben. Lucien wurde zu einer prägenden Figur des jurassischen Weinbaus, besonders für Trousseau. Er setzte auf diese Sorte, als andere eher Chardonnay pflanzten, und wurde damit zu einem ihrer grossen Verteidiger.
Montigny-lès-Arsures gilt als eigentliche Heimat des Trousseau. Lucien Aviet arbeitete mit Trousseau à la Dame, einer alten, kleinbeerigen und ertragsarmen Spielart, die viel Charakter, aber auch viel Arbeit bringt. Genau solche Entscheidungen erklären, warum die Weine von Aviet nie beliebig schmecken.
Lucien ist im Mai 2021 verstorben. Das Weingut wird heute von seinem Sohn Vincent weitergeführt, inzwischen ist auch Maxence, die nächste Generation, dabei. Das ist wichtig, denn solche Betriebe überleben nicht durch Konzepte, sondern durch Weitergabe: von Reben, Kellergefühl, alten Fässern, Erfahrung und einer gewissen sturen Treue zum Ort.
Die Domaine umfasst nur wenige Hektaren, je nach Quelle rund fünf bis sechs. Gearbeitet wird traditionell und zurückhaltend, in «lutte raisonnée», mit Handlese, einheimischen Hefen und wenig Eingriffen.
Berühmt ist Aviet vor allem für Trousseau. Die Cuvée «des Géologues» erinnert an Studenten der Geologie, die Lucien über viele Jahre bei der Ernte halfen und sich mit den Böden der Region beschäftigten. Schon die Namen der Weine zeigen: Hier ist Terroir nicht nur ein Wort für Rücketiketten, sondern Teil einer langen Freundschaft zwischen Menschen, Reben und Steinen.
Die Trousseau-Weine zeigen rote Früchte, Gewürze, manchmal etwas Rauch, Erde und eine feine Strenge im Finale. Der «Rosière» wirkt oft fruchtiger und leichtfüssiger, der «Marne Rouge» dichter, dunkler und geheimnisvoller. Beiden tut Reife gut. Jura-Rotwein ist eben nicht immer sofort laut charmant. Manchmal schaut er einen zuerst prüfend an, bevor er freundlich wird.
Neben Trousseau gibt es Poulsard, Savagnin und Melon à Queue Rouge. Gerade diese weissen Jura-Weine können mit leichter Oxidation, Florhefenoten, Nussigkeit und salziger Frische spielen. Das ist nicht Burgund, nicht Neuenburg und auch nicht einfach «weiss». Es ist Jura. Und wenn man einmal verstanden hat, wie gut diese Weine zu Käse, Geflügel, Pilzen, Saucen und Geduld passen, fragt man sich, warum sie bei uns so lange kaum jemand kannte.
Lucien Aviet hat eine sehr eigene Spur hinterlassen. Vincent und Maxence führen sie weiter, ohne daraus ein Museum zu machen. Das gefällt uns an diesem Weingut: Tradition, aber nicht verstaubt. Eigenständig, aber nicht gesucht. Und Weine, die aus einer versteckten Ecke hinter der Schweiz kommen und trotzdem ziemlich direkt ins Gedächtnis gehen.
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