Paolo Bassetti

Pianezzo, Ticino, Schweiz

Paolo Bassetti hat die Tessiner Polenta wieder zum Leben erweckt. Seit 2000 baute er den Anbau und die Verarbeitung von Mais für echte Tessiner Polenta auf, darunter auch den alten «Rosso Ticino» von Pro Specie Rara. Seit 2025 wird das Projekt von OriginTI weitergeführt, einer Kooperative von Tessiner Maisproduzenten unter dem Präsidium von Giacomo Bassetti. Die Idee bleibt dieselbe: Tessiner Mais, traditionelle Verarbeitung und Polenta mit Herkunft.

Tessiner Mais für echte Polenta: Rosso Ticino, sorgfältige Kolbensortierung, Trocknung und integrale Vermahlung statt anonyme Maismasse.

Die Wiedergeburt der Tessiner Polenta

Paolo Bassetti hat mit seiner Arbeit etwas gerettet, das im Tessin fast selbstverständlich klingt, aber es lange nicht mehr war: echte Tessiner Polenta aus Tessiner Mais.

In den 1960er- und 1970er-Jahren verschwanden viele alte Maissorten nach und nach aus dem Anbau. Moderne Hybridsorten waren produktiver, einheitlicher und einfacher zu bewirtschaften. Für Polenta bedeutete das aber nicht automatisch mehr Geschmack. Viel lokales Wissen ging verloren, und in den Mühlen wurde immer häufiger Mais aus anderen Regionen oder dem Ausland verarbeitet.

Das Projekt begann Ende der 1990er-Jahre mit Versuchen rund um den «Rosso Ticino», eine alte Tessiner Lokalsorte, deren Saatgut von Pro Specie Rara gesichert worden war. Paolo Bassetti übernahm das Projekt im Jahr 2000 auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung. Er begann, den Anbau und die Verarbeitung von Mais für Tessiner Polenta professionell aufzubauen. Das Centro di Competenze Agroalimentari Ticino beschreibt genau diese Rolle: Bassetti führte den Anbau und die Verwertung von Mais für Polentamehl wieder ein, mit traditioneller Ernte, manueller Kolbensortierung und integraler Vermahlung. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Der «Rosso Ticino» ist keine moderne Hybridsorte, sondern eine Population. Das heisst: Die Pflanzen sind nicht alle gleich, sondern bewahren eine natürliche Variabilität. Für industrielle Landwirtschaft ist das nicht immer bequem. Für Geschmack, Herkunft und Identität ist es sehr wertvoll.

Gerade diese Unterschiedlichkeit macht den Reiz aus. Die Körner sind hart, glasig und ideal für Polenta. Die Verarbeitung ist sorgfältig: Die Kolben werden von Hand sortiert, getrocknet und integral vermahlen. So entsteht ein Maisgriess mit Charakter, Duft und Biss. Polenta soll schliesslich nicht einfach gelbe Sättigungsmasse sein. Dafür gibt es traurigere Wege.

Seit 2025 ist eine neue Phase angebrochen. Paolo Bassetti hat dafür gesorgt, dass sein Projekt weiterlebt. OriginTI, eine Kooperative von Tessiner Maisproduzenten, hat die landwirtschaftlichen und verarbeitenden Tätigkeiten übernommen. Der Verwaltungsrat wird von Giacomo Bassetti geführt, und TIOR SA unterstützt die Kooperative bei Vermarktung und Administration.

OriginTI wurde gegründet, um genau diese Arbeit weiterzuführen: Tessiner Hartmais, Verarbeitung, Verpackung und Vermarktung von Polentamehl und weiteren Produkten aus Tessiner Mais. Anfang 2025 waren 12 Produzenten angeschlossen. Giacomo Bassetti sagte dazu sinngemäss, man führe weiter, was Paolo während 25 Jahren aufgebaut habe.

Für uns bleibt Paolo Bassetti deshalb der Pionier. Ohne seine Hartnäckigkeit gäbe es diese Tessiner Polenta in dieser Form wohl kaum mehr. OriginTI ist nun der nächste Schritt: breiter abgestützt, mit jungen Produzenten, aber mit demselben Kern. Tessiner Mais, lokale Verarbeitung, traditionelle Sortierung und eine Polenta, die nach Herkunft schmeckt.

Und genau so soll es sein. Polenta ist ein einfaches Gericht. Aber einfach heisst nicht beliebig.

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