
Mulino Maroggia
Mendrisio, Ticino, Schweiz
Mulino Maroggia ist ein Familienunternehmen am Luganersee und seit 1888 mit dem Müllereigewerbe verbunden. Gegründet wurde der Betrieb von Michael Stadlin, Nachkomme einer alten zentralschweizer Müllerfamilie. Heute ist Maroggia die grösste und modernste Mühle des Tessins und mahlt täglich über 50 Tonnen Getreide zu Mehlen für Bäckereien, Pizzerien, Restaurants und Pastifici.


Mühle und Lager in Maroggia: Hier trifft alte Tessiner Mühlengeschichte auf moderne Verarbeitung, kurze Wege und täglich ziemlich viel Mehl.
Die grosse Mühle am Luganersee
Mulino Maroggia ist ein Familienunternehmen mit langer Geschichte. Gegründet wurde der Betrieb Ende des 19. Jahrhunderts von Michael Stadlin, einem Nachkommen einer alten Müllerfamilie aus der Zentralschweiz. Maroggia selbst war schon viel früher mit dem Müllereigewerbe verbunden. Bereits um 1800 waren dort die Mühlen Raggi und Contestabile in Betrieb, die 1888 von der Familie Stadlin übernommen wurden.
1904 wurde an der Stelle der heutigen Mühle eine Reismühle gekauft. Diese wurde später abgerissen, um Platz für eine neue, besser gelegene Mühle zu schaffen. Wichtig war dabei auch der Anschluss an die Bahnlinie über ein Privatgleis. Das klingt heute fast romantisch, war aber schlicht klug: Getreide kommt nicht in hübschen Körbchen an, sondern in Mengen. Und Mengen bewegen sich besser auf Schienen.
1924 nahm die neue Mühle den Betrieb auf. Ergänzt wurde sie durch ein hölzernes Silo, das noch heute zur Geschichte des Hauses gehört. In den Jahren 1940 bis 1950 wurden Mühle und Lager weiter vergrössert, ein zweites Silo aus Beton kam dazu. Schritt für Schritt wurde modernisiert, ohne den Standort aufzugeben.
Heute ist Mulino Maroggia die grösste und modernste Mühle des Tessins. Täglich werden über 50 Tonnen Getreide vermahlen. Aus Weichweizen entstehen mehr als 40, je nach Quelle auch über 50, verschiedene Mehle für Bäckereien, Konditoreien, Pizzerien, Restaurants und Lebensmittelbetriebe. Aus Hartweizen entsteht Griess, im Tessin auch «friscello» genannt, für Pastifici. Roggen bringt Geschmack und Duft in Spezialmischungen wie Mehrkorn-, Wurzel- oder Walliserbrot.
Das ist natürlich ein anderer Massstab als eine kleine Steinmühle. Aber genau darum ist Maroggia wichtig: Es ist der zentrale Mühlenbetrieb im Tessin, ein Bindeglied zwischen Getreide, Handwerk und Küche. Wer im Tessin Brot, Pizza, Pasta oder Polenta ernst nimmt, landet früher oder später bei dieser Mühle.
2020 wurde die Mühle von einem schweren Brand getroffen. Für Maroggia war das ein harter Einschnitt, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional. Ein Stück Dorfgeschichte stand plötzlich in Flammen. Doch der Betrieb wurde nicht aufgegeben. Wiederaufbau, Modernisierung und Weiterarbeit zeigen ziemlich klar, wie wichtig diese Mühle für das Tessin geblieben ist.
Für uns ist Mulino Maroggia deshalb mehr als ein Mehllieferant. Es ist ein Stück Schweizer Lebensmittelgeschichte: gegründet von einer zentralschweizer Müllerfamilie, gewachsen am Luganersee, technisch modern und trotzdem eng mit einem Ort verbunden. Mehl ist vielleicht kein lautes Produkt. Aber wenn es fehlt, merkt man es sofort. Und wenn es gut ist, erst recht.

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