Isole e Olena

San Donato in Poggio, Toscana, Italien

Mit Isole e Olena verbindet Scala Vini eine über dreissigjährige Zusammenarbeit. Paolo de Marchi hat hier gezeigt, wie gross, fein und langlebig Sangiovese aus dem Chianti Classico sein kann. Der Cepparello bleibt für uns ein Klassiker und einer der grossen Referenzweine der Toscana. Seit 2022 gehört das Gut zur Familie Descours, seit 2023 führt Emanuele Reolon als Estate Director die Arbeit weiter: mit Respekt vor Paolos Handschrift und neuem Blick auf Rebberg, Keller und Zukunft.

Emanuele Reolon führt Isole e Olena seit 2023 als Estate Director. Im Keller und in den Rebbergen geht es nicht um Bruch, sondern um Kontinuität mit mehr Präzision.

Cepparello, Paolo de Marchi und ein neues Kapitel

Mit Isole e Olena verbindet Scala Vini eine über dreissigjährige Zusammenarbeit. Als wir Paolo de Marchi kennenlernten, war er gerade dabei, das Potenzial der Sangiovese-Traube neu zu definieren. Nicht mit lauter Geste, sondern mit Genauigkeit, Geduld und einem fast störrischen Vertrauen in diese Sorte.

Der Cepparello, den Paolo seit 1981 keltert, ist für uns bis heute ein Klassiker. Ein Prototyp für das, was das Chianti-Classico-Gebiet kann, wenn man Sangiovese ernst nimmt: Beeren, Blüten, feine Säure, Länge, Eleganz und diese Fähigkeit, mit den Jahren immer klarer zu werden. Wer je einen 1986er oder 1990er Cepparello im Glas hatte, versteht ziemlich gut, warum wir bei diesem Wein nicht ganz neutral bleiben.

Natürlich gab es auch Jahre, in denen Paolo wie viele andere mit internationalen Sorten arbeitete. Cabernet Sauvignon, Syrah und Chardonnay gehören ebenfalls zur Geschichte von Isole e Olena. Aber entscheidend blieb immer seine Linie im Chianti Classico: Sangiovese und Canaiolo, Präzision statt Kraftmeierei, Eleganz statt dunkler Schminke.

Während in der Toscana zeitweise dunkle, dichte und stark holzbetonte Weine Mode wurden, blieb Paolo bei einem anderen Stil. Filigraner, genauer, weniger auf schnellen Eindruck gebaut. Und genau deshalb haben seine Weine so gut gealtert. Nicht nur der Cepparello, sondern auch der Chianti Classico, der Chardonnay, der Syrah, der Cabernet und der Vin Santo zeigen, dass grosse Weine nicht durch Lautstärke entstehen.

Der Vin Santo ist dabei fast ein eigenes Kapitel. Natürlich getrocknete Trauben, kleine Caratelli-Fässer, jahrelange Reife auf der eigenen Hefe, ohne Eile. Das Ergebnis ist kein süsser Schlussakkord für Leute, die noch Dessert brauchen, sondern ein goldener, nussiger, tiefer Wein mit Rosinen, Honig, Mandeln und endlosem Nachhall.

Seit 2022 hat sich Paolo entschieden, sein Lebenswerk in neue Hände zu geben. Isole e Olena gehört heute zur Familie Descours und zur EPI-Gruppe, die unter anderem auch Biondi-Santi und Champagne Charles Heidsieck besitzt. Das sorgte zuerst für Fragen, natürlich. Bei einem Gut wie Isole e Olena hat niemand Lust auf «mehr Marke, weniger Wein».

Unser Besuch nach der Übergabe hat diese Befürchtungen nicht bestätigt. Im Gegenteil. Die neue Eigentümerschaft bringt Ressourcen, aber der Anspruch bleibt klar: dieses aussergewöhnliche Terroir weiterentwickeln, nicht verbiegen. Seit 2023 verantwortet Emanuele Reolon als Estate Director die Arbeit vor Ort. Paolo hat ihn in der Übergangsphase begleitet, und man spürt, dass hier nicht einfach ein neues Kapitel über das alte geklebt wird.

Emanuele und sein Team haben in kurzer Zeit viel bewegt. Besonders eindrücklich sind die neuen Querterrassierungen mit Trockenmauern aus eigenen Steinen. Neue Anlagen werden horizontal angelegt, damit Wasserführung und Erosion besser kontrolliert werden können. Das sieht nicht nur schön aus, sondern ist handfeste Arbeit am Fundament der künftigen Qualität.

Auch bei den Sangiovese-Selektionen wird präzise weitergearbeitet. Es geht um mehr Typizität, mehr Eleganz, mehr Klarheit. Die Chardonnay-Lagen werden mit demselben Respekt gepflegt. Im Keller wird nicht auf Show gearbeitet, sondern mit Gefühl, Ruhe und technischem Können.

Für uns bleibt Isole e Olena deshalb einer der wichtigsten Produzenten im Sortiment. Nicht aus Nostalgie, sondern weil die Weine weiterhin zeigen, was uns an diesem Gut immer überzeugt hat: Sangiovese mit Seele, Chianti Classico mit Feinheit, Cepparello als Referenz und ein Betrieb, der auch nach der Übergabe nicht seine Mitte verloren hat.

Ein lang gehegter Traum von Paolo de Marchi wird Wirklichkeit: neue Querterrassen mit Trockenmauern aus eigenen Steinen, bessere Wasserführung und Sangiovese, der noch präziser zeigen soll, woher er kommt.

Typische Produkte dieses Produzenten