
Obstkelterei van Nahmen
Hamminkeln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Die Obstkelterei van Nahmen in Hamminkeln verarbeitet seit 1917 Obst vom Niederrhein und aus dem Münsterland. Aus der alten Apfelkrautfabrik wurde eine der spannendsten Keltereien für sortenreine Direktsäfte, Frucht-Seccos und alkoholfreien Genuss. Peter und Sabine van Nahmen zeigen, dass Apfelsaft nicht einfach «Saft» sein muss, sondern Herkunft, Sorte, Jahrgang und Charakter haben kann.


Alte Sorten, reifes Obst und viel Auswahl: Bei van Nahmen beginnt guter Saft nicht im Tank, sondern auf der Streuobstwiese.
Saft, aber bitte ernst genommen
Die Obstkelterei van Nahmen in Hamminkeln hat ihre Wurzeln im Jahr 1917. Damals wurde der Betrieb als Rheinische Apfelkrautfabrik gegründet. 1934 begann die Familie mit der Herstellung von Obstsäften, zunächst als Lohnmosterei. Bis heute lassen Obstwiesenbesitzer vom Niederrhein und dem angrenzenden Münsterland ihre Äpfel bei van Nahmen zu Saft vermosten.
Das klingt unspektakulär, ist aber der Anfang einer sehr guten Geschichte. Denn van Nahmen hat früh verstanden, dass Saft nicht einfach süss und brav sein muss. Obst hat Sorte, Herkunft, Reife, Säure, Duft und Jahrgang. Eigentlich wie Wein, nur ohne Alkohol und ohne die übliche Grimasse am nächsten Morgen.
Seit 1994 werden Äpfel von Hochstamm-Streuobstwiesen separat gekeltert und als Apfelsaft von Streuobstwiesen abgefüllt. Das ist wichtig, weil diese Wiesen nicht nur schönes Obst liefern, sondern auch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen sind. Wer solche Streuobstwiesen erhalten will, muss ihre Früchte sinnvoll nutzen. Sonst bleiben am Ende nur schöne Worte und ungepflegte Bäume.
Peter van Nahmen trat 2005 in die Geschäftsführung ein und führt den Betrieb heute zusammen mit seiner Frau Sabine. Unter ihrer Leitung wurde die Idee «Saft als Genuss» konsequent weitergedacht. Van Nahmen nahm als erster Betrieb in Deutschland sortenreine Obstsäfte in die Produktpalette auf und zeigte damit, dass ein Apfelsaft aus Roter Sternrenette ganz anders schmeckt als einer aus Boskoop, Gravensteiner oder Jakob Lebel.
2007 gelang ein besonderer Schritt: Erstmals wurde ein purer Saft aus der Roten Sternrenette gepresst, in limitierter Menge abgefüllt und damit eine alte Sorte nicht nur bewahrt, sondern richtig sichtbar gemacht. Genau das gefällt uns an van Nahmen: alte Sorten werden nicht als nostalgische Etikette benutzt, sondern in die Flasche gebracht.
Die Verarbeitung bleibt klar: Die Früchte werden gewaschen, verlesen, gemahlen und gepresst. Dem Saft wird nichts entzogen und nichts hinzugefügt. Kein Zucker, keine Konservierungsstoffe, keine Aromastoffe. Haltbar wird er durch schonende Pasteurisierung. So bleibt er Direktsaft und nicht ein aus Konzentrat zurückverwandeltes Getränk mit Erinnerung an Obst.
Neben Apfelsäften entstehen bei van Nahmen auch Birnen-, Kirsch-, Rhabarber-, Pfirsich-, Quitten- und Beerensäfte, dazu Nektare, Frucht-Seccos und alkoholfreie Speisebegleiter. Gerade die Frucht-Seccos sind spannend, weil sie zeigen, wie gut alkoholfreier Genuss sein kann, wenn er nicht als Verzicht gedacht ist. Frucht, Säure, Perlage und gute Balance reichen völlig aus, um am Tisch ernst genommen zu werden.
Für uns ist van Nahmen deshalb viel mehr als eine Saftkelterei. Es ist ein Betrieb, der Obst mit der gleichen Aufmerksamkeit behandelt, die wir sonst bei Wein suchen: Sorte, Herkunft, Reife, Verarbeitung und Charakter. Und manchmal ist ein Glas guter Saft schlicht die bessere Antwort als ein schlechter Wein. Kommt öfter vor, als man denkt.


Hochstamm-Streuobstwiesen liefern Obst mit Charakter und erhalten gleichzeitig eine alte Kulturlandschaft. Saft kann also tatsächlich mehr als Durst löschen.


Williamsbirne und Rhabarber zeigen die andere Seite von van Nahmen: klare Frucht, gute Säure und genug Charakter, damit alkoholfrei nicht nach Kompromiss schmeckt.

Typische Produkte dieses Produzenten









